Belletristik

Der schwimmende Bibliothekar

Das Geheimnis der Schwimmerin von Erika Swyler
Autor:
 Erika Swyler
Titel: Das Geheimnis der Schwimmerin
Sprache: Deutsch
Umfang: 326 Seiten
Jahr: 2016
Format: eBook (epub)
Originaltitel: The Book of Speculation
Verlag: Limes
Preis: 15,99€
ISBN: 978-3-641-15954-2



Vielen Dank an das Random House bloggerportal und den Verlag für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplars!


Inhalt:

Das Buch ist in zwei Handlungsstränge eingeteilt: In der Gegenwart begleiten wir Simon Watson (Bibliothekar), in der Vergangenheit Amos (neuester Zugang in Peabody’s fahrendem Zirkus).

Simon erhält von einem ihm unbekannten Buchhändler ein altes Buch geschickt, das wohl etwas mit seiner Familie zu tun hat. Es handelt sich um eine Art Fahrten-/Tagebuch einer Schaustellergruppe, deren Anführer ein Mann namens Peabody war. Eingetragen wurden alle Mitglieder der Gruppe („Familie“) und alltägliche Ereignisse.
Dabei stößt Simon auf Namen, die ihm nur allzu bekannt sind: Die seiner Großmutter und Urgroßmutter. Wie seine eigene Mutter auch, sind bisher alle Frauen in seiner Familie am 24. Juli ertrunken. Was höchst seltsam ist, da sie allesamt „Schwimmer“ sind – sie können nahezu unbegrenzt unter Wasser den Atem anhalten. Jetzt macht er sich Sorgen um seine kleine Schwester Enola – denn der 24. Juli rückt näher.

Von seiner Familie verstoßen, lebt der kleine Amos (den Namen erhält er erst später)  in der Wildnis, bis er auf Peabody’s Truppe trifft. Zutiefst fasziniert von diesem seltsamen stummen Jungen mit der dunklen Haut, nimmt Peabody ihn als „jungen Wilden“ in die Gruppe auf.
Als er alt genug ist, wird er von der Wahrsagerin Madame Ryschkowa zu ihrem Lehrling gemacht und lernt die Kunst des Tarot. In einer stürmischen Nacht taucht auf einmal ein geheimnisvolles Mädchen auf und bringt Amos‘ Leben vollkommen aus dem Tritt…


Meine Gedanken zum Buch:

Anfangs war ich etwas irritiert, da die beiden Zeitstränge zu Beginn augenscheinlich nichts miteinander zu tun hatten. Aber schon da fand ich die Geschichte rund um Amos fesselnder und interessanter.
Zwar ist mir Simon erst einmal sympathisch gewesen, da er (wie ich) in einer Bibliothek arbeitet, dennoch hatte ich nicht direkt einen Zugang zu ihm. Der Charakter wirkte flach, ich konnte mich erst nicht mit ihm identifizieren. Gegen später macht die Verbindung zwischen den Handlungssträngen mehr Sinn und Simon wird fassbarer.

Was die anderen Charaktere angeht, hatte ich zu ihnen von Anfang an mehr Zugang als zu Simon – schade, denn Simon ist hier eigentlich der Hauptakteur… Alice (Simon’s Kollegin und Kindheitsfreundin) ist ein toll ausgestalteter Charakter mit Licht und Schatten. Enola (Simon’s Schwester) wirkt zunächst zwar wie das stereotypische „schwarze Schaf“ der Familie, wird allerdings von Kapitel zu Kapitel interessanter. Selbst Doyle (Enola’s Freund) war mir fast sympathischer als Simon…

Trotz aller Kritikpunkte (was die eine Hauptfigur angeht) hat mir dieses Buch ziemlich gut gefallen. Besonders mochte ich die mystische Atmosphäre, die im Amos-Teil sehr gut rauskam. Auch das Entdecken und Lösen des Familiengeheimnisses war spannend – ein bisschen habe ich ja schon mitgefiebert, ob Simon wohl noch herausfindet, was es mit seiner Familie auf sich hat.
Am besten hat mir aber tatsächlich der Schreibstil und die Sprache gefallen. Zwischendrin fanden sich schöne Satzkonstruktionen und fast schon poetisch ausgedrückte Ansichten. Hier musste ich mich wirklich auf ein einziges Zitat beschränken – ich hätte auch noch mehr gefunden! 🙂 Wer das Buch liest, möge doch bitte auf den letzten Satz achten; dieser bildet einen schönen Abschluss!


Lieblingszitat:

Etwas zu benennen, heißt, es von anderem abzugrenzen, es mit Kraft zu erfüllen oder in sein Verderben zu schicken.


Mein Fazit:

4

Insgesamt würde ich das Buch denjenigen empfehlen, die sich für Familiengeheimnisse interessieren. Wer die Welt des Zirkus oder die Kunst des Tarotlegen faszinierend findet, wird hier teilweise auf seine Kosten kommen. Gut fand ich, dass der Fokus auf der Hauptgeschichte lag und nicht abgeschweift ist, um den Truppenalltag genauestens zu beschreiben.
Trotz ein paar Längen im Simon-Teil, war das Erzähltempo angenehm und ein paar der Charaktere werden mir doch noch im Gedächtnis bleiben. Ein tolles Erstlingswerk!


Happy Reading! ❤
~Rain

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